Der Martinihof

Seit Generationen pflegt unsere Familie die Ländereien unseres Hofes. Unser Namensgeber, Egon Martini, kam in den 1940er Jahren aus Siebenbürgen (Transsilvanien) für sein angedachtes Landwirtschaftsstudium an der Universität Hohenheim nach Deutschland. Wie das Schicksal es so wollte landete er schließlich nicht dort, sondern er lernte seine spätere Frau Marie an der Radspitze kennen. Ein Gutsverwalter, wie von ihm ursprünglich geplant, konnte er hier nicht mehr werden, aber seine Kenntnisse von der bekannten Ackerbauschule in Mediasch konnte er nun hier auf einem kleinen Bauernhof im Frankenwald sinnvoll einsetzen.

Marie und Egon ist es auch zu verdanken, dass wir über so ein Kleinod an Natur verfügen können. Sie beide hatten einen großen Respekt vor dem Leben und der Natur und ein großes Herz für Tiere. Diese Werte gaben sie der ganzen Familie weiter.

Egon kannte aus Siebenbürgen Landschaften mit absolut beeindruckenden Naturschätzen. Hutewälder und Allmendweiden exisitieren hier auch heute noch. Egon setzte sich für den Erhalt unserer Laubwälder ein, daher haben wir hier noch stattliche Buchen. Marie setzte sich bis zuletzt für die Tiere am Hof ein, auch wenn aus gesundheitlichen Gründen in den 1960er Jahren die Rinderhaltung eingestellt werden musste, lag es ihr am Herzen mit Kleinvieh wie ihren Gänsen Leben auf dem Hof zu bringen und das Grünland zu erhalten. Diese Tierliebe gab sie auch an ihre drei Kinder weiter und zeichnet somit unsere ganze Familie aus.

Ihr jüngster Sohn, Erwin, unterstützte das Bauernhofleben von Klein auf in allen Bereichen. Nach dem Studium in Würzburg kam er mit seiner Frau Petra zurück auf den Hof. Zehn Jahre ohne Rauhfutterfresser wie Pferde und Rinder machten nun die Mahd vieler Flächen notwendig. Schnell war der Entschluss gefasst: Schafe sollen es richten. Schließlich wurden die bedrohten Coburger Fuchsschafe, eine regionale und robuste Schafrasse der Mittelgebirge, über viele Jahre erfolgreich zur Landschaftspflege eingesetzt, flankiert von Ziegen, u.a. Schweizer Pfauenziegen. 

Seit 2018 hat nun Markus, der jüngste Sohn von Petra und Erwin, die Landwirtschaft übernommen. Viel Recherchearbeit, kramen in Erinnerungen und sichten alter Archive hat ein genaueres Bild der historischen Pflege und Nutzung um die Radspitze zutage gefördert. So kommt der Name "Radspitzalm" nicht von ungefähr, hier lag nämlich eine Allmendeweide ehe sie mit Fichten bepflanzt wurde. Erwins Erinnerungen an kleine, bunte Orchideen konnten mit Notizen alter Botaniker untermauert werden. Dementsprechend wurden in den letzten Jahren weitere zielgerichtete Naturschutzmaßnahmen angestoßen und auch Erfolge erzielt.